zu den Landesmedienzentren ...

Dienstleistung 'Medienkompetenz'

 

Landesbildstellen/Landesmedienzentren/ Medienpädagogische Einrichtungen der Länder
Partner im Verbund


Positionspapier 2000 der Arbeitsgemeinschaft
der Landesbildstellenleiter Deutschlands

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Inhaltsverzeichnis

 

   Zusammenfassende Thesen 

  1. Vorbemerkung
  2. Die Herausforderung der Digitalisierung
  3. Medienkompetenz als Schlüsselqualifikation
  4. Herausforderungen an die Bildungs- und Kultureinrichtungen in der neuen Medienwel
    4.1 Dezentralisierung von Lernen und Arbeiten 
    4.2 Fachübergreifende Aufgabenstellung
    4.3 Qualifikationsanforderungen 
    4.4 Profilbildung und neue Medien 
    4.5 Dauerhaftigkeit der Aufgabe 
    4.6 Vernetzung als Voraussetzung 
    4.7 Marketing als Basisphilosophie 
    4.8 Steigender Beratungsbedarf 
    4.9 Public-private-partnership 
  5. Die Rolle der Landesmedienzentren 
    5.1 Informationsmanagement als Navigationshilfe 
    5.2 Pädagogisch-didaktische und technische Beratung
    5.3 Komplementäre Versorgung der Bildungs- und Kultureinrichtungen mit Medien
    5.4 Technische Betreuung von lokalen Netzwerken
    5.5 Spezialisierung der Leiter(innen) der kommunalen Medienzentren
    5.6 Flächendeckende Fachkompetenz im Verbund
    5.7 Mitwirkung bei der Aus-, Fort- und Weiterbildung
    5.8 Steigerung der Qualitätsanforderungen
    5.9 Kooperation mit Partnereinrichtungen im Bildungs- und Kulturbereich
    5.10 Unverzichtbare Partnerschaft mit dem FWU
    5.11 Neue Ziel- und Adressatengruppen
  6. Dienstleistungsspektrum der Landesmedienzentren 
    6.1 Medienpädagogik
    6.2 Fortbildung
    6.3 Medienversorgung
    6.4 Daten- und Informationsdienste
    6.5 Medientechnischer Support
    6.6 Medienproduktion
    6.7 Medienarchive
    6.8 Medienkulturarbeit
    6.9 Kooperations- und Vernetzungsdienste

Zusammenfassende Thesen

  1. Medienkompetenz ist innerhalb weniger Jahre zu einer zusätzlichen Schlüsselqualifikation geworden. Den konzeptionellen Hintergrund stellt ein alle Medien umfassender integrativer Ansatz von Medienbildung dar (Foto, Audio, Video, Multimedia, Internet). 

  2. Bildungs- und Kultureinrichtungen haben zur Förderung von Medienkompetenz einen wesentlichen Beitrag zu leisten. Hierzu benötigen sie neben der Ausstattung mit der erforderlichen Hard- und Software und der Fortbildung der pädagogischen Fachkräfte ein umfassendes Unterstützungssystem auf lokaler wie auf Landesebene. 

  3. Ort des lokalen Angebots ist das weiterzuentwickelnde kommunale Medienzentrum. Über diesen Lern- und Kommunikationsort werden regionale Ressourcen verknüpft bzw. gebündelt und durch die pädagogischen Informations-, Beratungs- und Fortbildungskompetenzen, die durch die Länder bereitgestellt werden, ergänzt. 

  4. Die medienpädagogischen Fachkräfte vor Ort sind aufgrund der begrenzten personellen Ressourcen nur in der Lage, eine Grundversorgung an Information, Beratung und Fortbildung anzubieten bzw. zu vermitteln. Ein breites, alle Medien umfassendes Angebot für alle Bildungs- und Kultureinrichtungen ist nur in einem Kompetenzverbund über die lokalen Grenzen hinweg zu gewährleisten. Hier liegt die Grundlage für die regionalen bzw. landesweiten Aufgaben der Landesmedienzentren , deren Aufgaben durch die neuen digitalen Medien vor einem erheblichen Bedeutungszuwachs stehen.

  5. Die Landesmedienzentren bieten künftig als Partner der kommunalen Medienzentren ein um die neuen Medien erweitertes, umfassendes Angebot: 
    - Informationsmanagement im Off- und Onlinebereich
    - Pädagogisch-didaktische Beratung
    - Technische Beratung
    - Komplementäre Versorgung mit Medien
    - Aufbau einer Grundstruktur für künftige elektronische Distribution von Medien
    - Mitwirkung bei dem Aufbau und der Pflege von Bildungsservern
    - Aufbau eines funktionierenden Supportsystems für lokale und schulinterne Netzwerke
    - Angebot eines dauerhaften, funktionierenden Systems von Fortbildungsangeboten für die lokal tätigen Mitarbeiter(innen)/Leiter(innen) der kommunalen Medienzentren
    - Organisation eines Kompetenzverbundes über die lokalen Grenzen hinweg
    - Mitwirkung bei der Aus-, Fort- und Weiterbildung von pädagogischen Fachkräften im Bereich der Medienerziehung und Verknüpfung dieser Angebote mit den lokalen Beratungsangeboten
    - Sicherung von Qualitätsstandards
    - Evaluation der Beratungsergebnisse
    - Organisation von Kooperation im Bereich von public-private-partner-ship
    - Vernetzung der Angebote des FWU mit den lokalen Partnern
    - Durchführung und Evaluation von innovativen Projekten
    - Gewinnung von neuen Zielgruppen

  6. Je nach länderspezifischem Profil werden diese Dienstleistungen ergänzt um Angebote im Bereich der außerschulischen Bildungs- und Kulturarbeit, der Produktion landeskundlicher Medien und der Pflege kulturhistorisch wertvoller Medienarchive bis hin zum Aufbau von Agenturdiensten im bundesweiten Verbund.

  7. Die Landesmedienzentren kooperieren im Rahmen dieser Aufgaben mit allen Partnern in der Bildungs- und Kulturlandschaft, wie Landesinstituten (z. T. im organisatorischen Verbund), dem FWU, den Bundeszentralen für politische Bildung und für gesundheitliche Aufklärung usw.

1. Vorbemerkung

Es ist inzwischen über ein Jahrzehnt vergangen, seit sich die für Medienpädagogik zuständigen Landeseinrichtungen, damals noch durchgängig unter dem traditionellen Namen 'Landesbildstellen', zu den Herausforderungen der 90er Jahre mit einem Konzeptionspapier geäußert haben. In der pädagogischen Diskussion spielte der Computer bereits eine wichtige Rolle, er war als Werkzeug entdeckt, eine informations- und kommunikationstechnologische Grundbildung in der Sekundarstufe I wurde gefordert, zum Teil umgesetzt.

In der ersten öffentlichen Euphorie um Chancen und Bedeutung, die man dem Einsatz des Computers beim Lernen in der Schule zumaß, gerieten die auch von den Landesmedienzentren getragenen Bemühungen um mehr grundlegende und integrative Medienerziehung in der Schule ins Abseits und damit aus dem Blick öffentlichen Interesses. Auch die Weiterentwicklung des vorhandenen Systems der kommunalen Mediendienstleister "Medienzentrum" zur Unterstützung der Schule vor Ort schien gefährdet.

Wie stellt sich die Situation mit dem Übergang ins 21. Jahrhundert dar?

Die Visionen der 90er Jahre zur gesellschaftlichen und pädagogischen Bedeutung der neuen Medien sind durch den Siegeszug des Internets - wie viele glauben - weit übertroffen worden, in jedem Fall haben sie sich konkretisiert. Bei manch berechtigter Kritik und vor dem Hintergrund noch vieler zu lösender Probleme, insbesondere bei der Ausstattung und der Entwicklung angemessener pädagogischer Konzepte, wird das Lernen mit neuen Medien die Arbeit in den Bildungs- und Kultureinrichtungen in Zukunft erheblich, wenn nicht dramatisch verändern. Nach ersten Versuchen, etwa im Rahmen von 'Schulen ans Netz', investieren jetzt Kommunen, Länder und Bund in Partnerschaft mit der Wirtschaft sowohl in Ausstattung als auch in Qualifizierung und Software.

Parallel hierzu ist die Einsicht gewachsen, dass diese Herausforderungen von der einzelnen Einrichtung, ob Schule, Kindertagesstätte oder Jugendfreizeiteinrichtung, nicht alleine zu bewältigen sind. Vielmehr ist für den erforderlichen Entwicklungs- und Lernprozess jeder einzelnen Einrichtung ein umfangreicher Beratungs-, Fortbildungs- und Unterstützungsaufwand notwendig.

Insofern steht das System der Medienzentren auf kommunaler, regionaler und Landesebene vor erheblichen Herausforderungen, aber auch vor einer chancenreichen Entwicklungsperspektive.

Die Landesmedienzentren haben sich diesen Herausforderungen seit Jahren gestellt und sind zum Teil bereits hervorragend positioniert. Aber auch in der Stärkung und Stützung lokaler Partner, vor allem der kommunalen Medienzentren, liegt eine ihrer zentralen Funktionen.

Insofern stellt das hier vorliegende Papier zum einen eine Standortbestimmung der regional und landesweit tätigen Mediendienstleister dar, zum anderen aber auch einen deutlich formulierten Anspruch an Träger, Partner und Kunden, diese Einrichtungen weiter zu stärken, ihre professionellen Dienste zu nutzen und damit das Profil auch mit Blick auf vielfältige Ansätze zur Medienkompetenzförderung bedarfsgerecht schärfen zu helfen.

Dieses Positionspapier soll darüber hinaus auch deutlich machen, dass sich die Landesmedienzentren nach wie vor, trotz erheblicher organisatorischer Vielfalt, als ein Verbund medienpädagogischer Dienstleister in Partnerschaft mit ihren kommunalen Einrichtungen und dem FWU verstehen.

2. Die Herausforderung der Digitalisierung

Die Gesellschaft war in ihren technologischen Grundlagen bis weit in das 20. Jahrhundert hinein geprägt durch eine analoge Medienproduktion im Zusammenhang mit darauf abgestimmter Distribution und Rezeption der Medienprodukte, was seinen Niederschlag auch im Sprachgebrauch fand: Bücher wurden mechanisch gedruckt, Filme geschnitten, Musikdarbietungen in Metallwalzen gestanzt und in Schellackplatten oder Vinyl gepresst. Das Ende dieser Gutenberg-Ära brach mit der Möglichkeit an, beliebige Daten - also beispielsweise Texte, Bilder und Töne - zu digitalisieren und damit über sie in bisher ungeahnter Qualität, Flexibilität und Dynamik zu verfügen. Wachsende Speicherkapazitäten, minimierte Zugriffszeiten und immer komplexere, multimediale Darstellungsformen kennzeichnen die derzeitigen und zu erwartenden Trends medientechnologischer Entwicklungen, die - verbunden mit zweifellos diffizilen Problemen - einen der wichtigsten Wachstumsbereiche in der modernen Wirtschaft ermöglichen. Tradierte Tätigkeitsfelder und Arbeitsplätze verändern sich grundlegend. Die örtliche und zeitliche Entgrenzung von Arbeitsprozessen - etwa durch Teleworking - besitzt in ihrer Auswirkung auf Arbeitsorganisation, Eigenverantwortlichkeit und Sozialität kaum absehbare Dimensionen. Neue Berufsbilder entstehen und verlangen flexible Reaktionen auf dem Studien- und Ausbildungsmarkt.

Der durch die Digitalisierung ausgelöste und mit ihr einhergehende Wandel hat dabei längst die gesamte Gesellschaft in all ihren ökonomischen und politischen, sozialen und kulturellen Fassetten erfasst und fordert diese umfassend heraus: Wirklichkeit wird heute nicht nur verstärkt medial vermittelt wahrgenommen; Medien konstruieren diese Wirklichkeit vielfältig mit. Mit den neuen medialen Kommunikationsmöglichkeiten verändern sich auch die Regularien und Codes, mittels derer kommuniziert wird, und die Kommunikate selbst, also die Inhalte. Der Zugang zu Informationen wird technisch immer einfacher, doch das geradezu explodierende Angebot erfordert umso mehr die Fähigkeit der effektiven Recherche, der Auswahl und der Bewertung. Die politische Mündigkeit des Einzelnen ist in elementarer Weise davon abhängig, dass Funktion und Bedeutung der Medien in der Gesellschaft erkannt und kritisch beurteilt werden können.

3. Medienkompetenz als Schlüsselqualifikation

Die Wahrnehmung der Welt über Medien, die medienvermittelte Kommunikation oder das mediengestützte Lernen sind keine überraschenden Entwicklungen unserer Zeit. Seit Jahrhunderten wird das öffentliche und private Leben durch die sich entwickelnden Medientechnologien und darüber verbreitete Inhalte und Botschaften ganz wesentlich beeinflusst. So stellten beispielsweise die Erfindung des Buchdrucks, die telegrafische Informationsübermittlung, die Fotografie und der Film, der Rundfunk, das Fernsehen und schließlich die computergestützten Medien jeweils neue Herausforderungen für die Gesellschaft und - zunehmend - für jeden Einzelnen auf, indem der Grad ihrer Verfügbarkeit, ihrer Beherrschung und ihrer kreativen Nutzung als wichtiges Kriterium für Lebensqualität gelten durfte und darf. Seit ihrer Institutionalisierung bezieht auch die Bildung Medien und Medientechnologien in umfassender Weise ein.

Bei Betrachtung dieses historischen Prozesses ist es allerdings unverkennbar, dass die - wesentlich durch die Digitalisierung ermöglichte - rasante Entwicklung der Medienlandschaft gerade am Ende des 20. Jahrhunderts, verbunden mit scheinbar gegenläufigen Tendenzen wie denen ihrer weiteren Ausdifferenzierung und ihrer zunehmenden Komplexität, der Gesellschaft und insbesondere dem Bildungswesen neue Fragen - bzw. bekannte Fragen neu - stellt. Von besonderer Bedeutung für den Bildungsbereich ist dabei die Tatsache, dass das Lernen in der Mediengesellschaft selbst qualitative Veränderungen erfährt. Multimediale Lernumgebungen erfordern die Erschließung vernetzter Strukturen und ermöglichen differenzierte didaktische Zugänge und neue Organisationsformen des Lernens. Medien werden im Unterricht zunehmend in ihrer Doppelfunktion als Mittel und Gegenstand des Unterrichtens genutzt. Der generelle Trend der schulischen Bildung zum verstärkten Methodentraining gegenüber einer weiteren Anhäufung von Wissen findet in der modernen Medienpädagogik ebenso seine Entsprechung und Bestätigung wie die Handlungs- und Produktorientierung, der inhaltliche Bezug zur Lebens- und Erfahrungswelt der Schülerinnen und Schüler oder das soziale Lernen.

Eine in diesem Sinne verstandene und durch Schule zu vermittelnde Medienkompetenz, die auf selbstbestimmtes, sozial verantwortliches und kreatives Handeln in einer von Medien bestimmten Welt zielt, wird über die Zukunftsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen und damit der Gesellschaft insgesamt mit entscheiden!

4. Herausforderungen an die Bildungs- und Kultureinrichtungen in der neuen Medienwelt

Die Bildungs- und Kultureinrichtungen sind vor dem Hintergrund der bisher beschriebenen Entwicklungen in besonderer Weise herausgefordert. Dies gilt sowohl für Kindertagesstätten, Einrichtungen der außerschulischen Jugendarbeit, für Schule und für Weiterbildung, im gleichen Maße für Kultureinrichtungen wie z. B. Museen. Diese Herausforderungen ergeben sich aus der engen Eingebundenheit in eine inzwischen stark medial geprägte Wirklichkeit und aus der Notwendigkeit, bei den Nutzer(inne)n bzw. Kund(inn)en medial gestützt erkennbar zu bleiben und hierfür auch die neuen Medien selbst professionell zu nutzen. Diese umfassende Herausforderung lässt sich an neun Kriterien aufzeigen:

4.1 Dezentralisierung von Lernen und Arbeiten

Wie bereits oben beschrieben ist die Chance, Teile von Lern- und Arbeitsprozessen dezentral zu organisieren wie z. B. im Bereich des Tele-Learning, weit fortgeschritten und fordert alle Bildungs- und Kultureinrichtungen heraus. Teile von Lehr- und Lernprozessen werden bereits individuell in häusliche Umgebung verlagert, Teilnehmerinnen und Teilnehmer verfügen zum Teil über sehr differenzierte Voraussetzungen aufgrund dieser individuellen Lernmöglichkeiten. Die Rolle der verantwortlichen Lehrenden entwickelt sich zunehmend in Richtung auf eine Moderation von Lernprozessen. Selbstkonstruierende Lernprozesse mit Hilfe von multimedialen Lernumgebungen werden klassische Lern- und Lehrmethoden teilweise ersetzen. Besucherinnen und Besucher von öffentlichen Kultureinrichtungen erwarten neue mediale Präsentationsformen und die Möglichkeit, in Vor- und Nachbereitung von z. B. Museumsbesuchen sich internetbasiert zu informieren. Damit wird die/der Lernende/Kund(in)e zunehmend aktiver, interagierender Partner der Bildungs- und Kultureinrichtungen.

4.2 Fachübergreifende Aufgabenstellung

Die neuen Medien lassen sich nicht mehr in ein Fach, in einen Fachbereich oder in die museumspädagogische Abteilung einer Kultureinrichtung delegieren. Die Aufgabenstellung ist so breit angelegt, dass alle Teilbereiche in der vollen Breite ihrer Aufgabenstellungen herausgefordert sind. Off- und Onlinemedien und deren Einsatz sind übergreifend zu reflektieren, stellen allerdings grundsätzlich nicht die Fachorientierung infrage. Vor diesem Hintergrund sind die Leitungen von Bildungs- und Kultureinrichtungen gefordert, diese neue Fragestellung in allen Teilbereichen der Einrichtung als konzeptionelle Herausforderung zu begreifen und die Einrichtung als ein ständig lernendes System zu organisieren.

4.3 Qualifikationsanforderungen

Es ist nach wie vor noch davon auszugehen, dass die in Bildungs- und Kultureinrichtungen handelnden Personen im Rahmen ihrer Erst- und Zweitausbildung keine adäquate medienpädagogische Ausbildung erfahren haben, sodass ein enormer Bedarf an Fort- und Weiterbildung existiert. Es ist erforderlich, dass jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter eine Grundqualifizierung im Bereich der neuen Medien erhalten muss, unabhängig von ihrer/seiner jeweils spezifischen Aufgabenstellung. Darüber hinaus muss für spezifische Aufgaben Fachpersonal qualifiziert werden. Hierzu müssen sowohl Prioritäten im gesamten Fortbildungskonzept gesetzt als auch entsprechende Ressourcen reserviert werden. Für die Anbieter entsprechender Fortbildungsangebote ist mit einer entsprechend hohen Nachfrage zu rechnen.

4.4 Profilbildung und neue Medien

Die Nutzer(innen) von Bildungs- und Kultureinrichtungen erwarten in Zukunft ein klar erkennbares Profil der jeweiligen Einrichtungen. Im Bereich von Schule ist die Entwicklung angestoßen. Die Schulen sind aufgefordert eigene Programme zu entwickeln und hierbei die Herausforderungen der Medien angemessen zu berücksichtigen. Weiterbildungseinrichtungen wie Volkshochschulen sind ohnehin gezwungen, deutliche Profile zu entwickeln, da sie auf dem Markt durchaus in Konkurrenz agieren. Museen und andere Kultureinrichtungen stehen inzwischen ebenso B z. T. weltweit B in Konkurrenz um Besucherinnen und Besucher und sind bereits gezwungen, sowohl im Bereich der Ausstellungsgestaltung als auch im Bereich des Marketing und der Öffentlichkeitsarbeit neue Medien aktiv zu nutzen.

4.5 Dauerhaftigkeit der Aufgabe

Bereits heute zeigt sich eine ständige Verkürzung der Innovationszyklen im Bereich der Technik und ihrer Anwendungen. Vor diesem Hintergrund geraten auch die Bildungs- und Kultureinrichtungen unter einen (weiter) beschleunigten Anpassungs- und Reaktionsdruck. Dies erfordert, dass Konzept- und Profilbildung als ständiger Entwicklungsprozess organisiert werden müssen und dabei in hohem Maße durch Offenheit geprägt sein sollten. Fortbildung muss zu einem dauerhaften, selbstverständlichen und auch quantitativ umfangreicheren Bestandteil der Arbeit werden. Dabei werden die neuen Medien zu einem alltäglichen Werkzeug an jedem Arbeitsplatz und Gegenstand permanenter Fortbildung sein.

4.6 Vernetzung als Voraussetzung

Die Breite der Herausforderungen macht es erforderlich, dass Bildungs- und Kultureinrichtungen vom Selbstverständnis her zur grundsätzlichen Öffnung zu Partnern bereit sind. Diese Öffnung macht es auf der einen Seite möglich, sich selbst als Partner in einem Netzwerk zu verstehen, auf der anderen Seite die Partner im Netzwerk auch für die eigenen Erfordernisse zu nutzen. Dies bedeutet Abgrenzung mit seinem spezifischen Profil, aber auch Integration in ein umfassendes Gesamtsystem. Auf dieser Grundlage entsteht die Bereitschaft und Fähigkeit zur Kooperation und die Erfahrung, von dem Fachprofil des jeweiligen Partners entsprechend zu profitieren. Kooperationsnetzwerke werden sowohl im Online- als auch im Offlinebereich entstehen. Kommunikation und Interaktion werden zur Voraussetzung für Anpassung und Weiterentwicklung.

4.7 Marketing als Basisphilosophie

Wenn Bürgerinnen und Bürger in den neuen Medien zunehmend Orientierung und Information suchen, dann müssen die Anbieter - also die Bildungs- und Kultureinrichtungen - in diesen Informations- und Kommunikations-Netzwerken präsent und erkennbar sein. Dies macht erforderlich, dass jeder Anbieter im Rahmen seiner Aktivitäten Marketingbemühungen bei allen Schritten mitplanen und parallel entwickeln muss. Nur wer mit seinen Angeboten bzw. mit seinen Produkten bei den Kunden mit seinem besonderen, spezifischen Profil erkennbar ist und bleibt, wird auf Dauer erfolgreich sein. Ein gutes Angebot und dessen Vermarktung ist nicht als Widerspruch, sondern als Einheit zu begreifen. Auch Schule ist in diesen Bereichen bereits herausgefordert. Erste Beispiele sind hier als Vorbild vorhanden. In diesem Rahmen sind lokale Bildungs- und Kulturserver als Informations- und Kommunikationsplattform besonders geeignet, auch Bildungs- und Kultureinrichtungen im Rahmen der Vielfalt der lokalen Gegebenheiten im Netz zu spiegeln.

4.8 Steigender Beratungsbedarf

Die umfassenden Herausforderungen sind von den einzelnen Bildungs- und Kultureinrichtungen nicht nur aus sich selbst heraus zu leisten. Für die erforderlichen Fort- und Weiterbildungen, konzeptionellen Weiterentwicklungen usw. sind externe Beratungs- und Unterstützungsangebote notwendig. Im Bereich der Schule gibt es bereits Fortbildungsmodelle, bei denen die einzelnen Schulen Budgets erhalten, mit denen sie sich auf dem Markt entsprechende Angebote frei auswählen können. In den anderen Bildungs- und Kulturbereichen ist eine solche Praxis längst Realität. Auf der Anbieterseite entstehen vielfältige Unterstützungs- und Beratungsangebote in sehr spezifischer und professioneller Form. Bildungseinrichtungen sollten ihre Beratungskompetenz einbringen und selbst als Anbieter auftreten.

4.9 Public-private-partnership

Öffentliche Einrichtungen, auch in Partnerschaft der unterschiedlichen staatlichen Ebenen wie Länder und Kommunen, können die Herausforderungen der neuen technologischen Entwicklungen für den Bildungs- und Kulturbereich nicht aus eigenen Kräften heraus bewältigen. Es ist inzwischen Konsens, dass es sich um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe handelt, die der Partnerschaft aller bedarf. Das Einwerben insbesondere privater Gelder aus dem Bereich der Wirtschaft wird somit zur Aufgabe der Handelnden in den öffentlichen Bildungs- und Kultureinrichtungen.

Vor dem Hintergrund dieser aktuellen und rasanten Entwicklungen steht das System der Landesmedienzentren vor großen Herausforderungen, die im Folgenden konkretisiert und ausdifferenziert werden sollen. Diese Herausforderungen sind nur im bisherigen Verbundsystem mit dem FWU und den kommunalen Medienzentren zu bewältigen. Es besteht die große Chance, die Bedeutung und die Leistungsfähigkeit des Systems zu beweisen und weiter zu steigern.

5. Die Rolle der Landesmedienzentren

Landesmedienzentren verstehen sich als Partner im Verbund mit den kommunalen Medienzentren und dem Medieninstitut der Länder, dem FWU. Ihre Aufgaben definieren sich vor diesem Hintergrund sowohl in komplementärer Funktion zu ihren kommunalen Einrichtungen als auch in eigenständiger Aufgabenwahrnehmung in ihrem jeweils eigenen regionalen Bezug, entweder im direkten Auftrag der Länder, als Teile selbständiger Landesinstitute oder auch im direkten Auftrag oberer Kommunalverbände.

5.1 Informationsmanagement als Navigationshilfe

Aus der unübersehbaren Fülle vorhandener Informationen filtern die Landesmedienzentren diejenigen heraus, die für die Arbeit in den Bildungs- und Kultureinrichtungen von Bedeutung sind, bewerten sie und stellen sie sowohl offline, das heißt auf Datenträgern oder in Print-Form, als auch online bereit. Dabei ist es erforderlich, in Abstimmung mit den jeweiligen landesspezifischen Besonderheiten eigene Informations- und Kommunikationsplattformen aufzubauen, die je nach Ausbaugrad mit der kommunalen Struktur direkt verknüpft sein müssen.

5.2 Pädagogisch-didaktische und technische Beratung

Die Landesmedienzentren stehen - bezogen auf ihre Beratungsdienste - vor einer gewaltigen Herausforderung. Die Bereitstellung der geforderten Fachkompetenzen verlangt eine zunehmende Spezialisierung und Differenzierung der Angebote. Dabei wird zurzeit der Übergang von der funktionalen Bewältigung der Informations- und Kommunikationstechnologien zu ihrer didaktischen Integration in den Unterricht vollzogen. Die Beratungsdienste der Landesmedienzentren sind daher qualitativ und quantitativ weiterzuentwickeln und zum Teil neu zu definieren. Da gleichzeitig weitgehend von den vorhandenen Ressourcen auszugehen ist, wird der notwendige Gestaltungsspielraum unter anderem geschaffen durch kritische Prüfung der bisherigen Angebotspalette, durch vielfältige Kooperationen mit geeigneten Institutionen und Firmen und teilweise auch, besonders in speziellen technischen Bereichen, durch die verstärkte Zusammenarbeit mit freien Mitarbeitern.

5.3 Komplementäre Versorgung der Bildungs- und Kultureinrichtungen mit Medien

Die Medienbestände der Landesmedienzentren und der kommunalen Medienzentren sind in der Regel in landesweit vernetzten Datenbanken erfasst. Auf sie stützt sich der in nahezu allen Medienzentren durch EDV unterstützte materiale Verleih von Medien. Telekommunikativ sind diesen seit Jahren eingeführten Systemen jedoch enge Grenzen gesetzt. Die künftige Versorgung der Kunden mit Medien verlangt die Einführung neuer telekommunikationsfähiger Medien-Informationssysteme. Sie unterstützen die Lehrkraft bei der zunehmend schwieriger werdenden Auswahl von Medien durch die Möglichkeiten der Fernrecherche, der Fernbuchung und durch die mittelfristige Ergänzung des materialen Verleihs durch die elektronische Distribution. Auf jeder dieser Ebenen ist künftig das Zusammenspiel unterschiedlicher Datenbanken und Datenströme erforderlich (z. B. Landesbildungsserver, regionaler Datenbestand des Medienzentrums, bundesweite Datenbank Bildungsmedien).

5.4 Technische Betreuung von lokalen Netzwerken

Von entscheidender Bedeutung für den Erfolg und die Nachhaltigkeit der hohen Investitionen der Länder und Kommunen in die lokalen Bildungsnetze und in die Ausstattung der Schulen mit leistungsfähigen Rechnern ist der Aufbau eines gestaffelten Systems von Beratung und Fortbildung lokaler Betreuungskompetenz, ausgehend vom Netzberater in den Schulen über den Netztechniker an kommunalen Medienzentren bis hin zum Vernetzungsspezialisten (Netzingenieur) z. B. in den Landesmedienzentren.

Die untrennbare Verknüpfung dieses technischen Supports mit didaktischen und medienpädagogischen Vorgaben sowie der fließende Übergang von technischer Beratung zu technischer und pädagogischer Fortbildung prädestiniert die vorhandene flächendeckende Struktur der bundesweiten Organisation der Medienzentren zur Einrichtung einer solchen vernetzten Dienstleistung.

5.5 Spezialisierung der Leiter(innen) der kommunalen Medienzentren

Die Fachkompetenz in der bundesweiten Organisation der Medienzentren als Ganzes ist wesentlich geprägt von der medienpädagogischen Kompetenz der Leiter(innen) der kommunalen Medienzentren. Aufbauend auf einem umfangreichen medienpädagogischen und medientechnischen Allgemeinwissen in den Bereichen der analogen und digitalen Medien, ist die Qualifikation zum kompetenten Multiplikator im digitalen Bereich durch gezielte Fortbildung verbunden mit Spezialisierung(en) zu erreichen.

Eine Optimierung der durch die Landesmedienzentren anzubietenden Fortbildung kann durch eine klare Dreigliederung wesentlich unterstützt werden. Solche Elemente könnten sein: 

  • Grundausbildung (in den ersten beiden Dienstjahren), 

  • kontinuierliche allgemeine Fortbildung, 

  • Multiplikatoren-Training (Expertentraining).

5.6 Flächendeckende Fachkompetenz im Verbund

Durch die Zunahme und die Komplexität digitaler Medien bei gleichzeitig starker Nutzung analoger Medien kann die gesamte Palette der Fachkompetenz, vom Dia bis zur Homepage, zwar durch das Gesamtsystem abgedeckt, jedoch nicht an jedem Medienzentrum auf kommunaler Ebene sachkundig bereitgestellt werden. Der Kompetenztransfer von den Landesmedienzentren zu den kommunalen Medienzentren gewinnt daher an Bedeutung.

Gleichzeitig ist es notwendig, die speziellen Einzelkompetenzen der kommunalen Medienzentren über nachbarschaftliche Kooperationen zu koordinieren. Der daraus resultierende Kompetenzverbund bietet flächendeckend und schulstand-ortnah Fachkompetenz in der gesamten Bandbreite der pädagogischen und technischen Medienarbeit. Das daraus entstehende Modell der wechselseitigen Kooperation zwischen Landesmedienzentren und kommunalen Medienzentren ist daher weder ein hierarchisches Stufenmodell mit den Attributen 'oben' und 'unten' noch ein 'Nebeneinander' in einem Säulenmodell, sondern ganz entschieden ein 'Miteinander' im Verbundmodell (siehe Grafik).

5.7 Mitwirkung bei der Aus-, Fort- und Weiterbildung

Als Ergänzung zu den Angeboten der Hochschulen im Rahmen der Erstausbildung, der Zweiten Phase der Lehrerausbildung und der Fortbildung bedarf es der fachspezifischen Durchführung von praxisorientierten, alle Medienarten umfassenden Qualifizierungsangeboten für die betreffenden Zielgruppen. Dabei obliegt den Landesmedienzentren die Entwicklung und Erprobung beispielhafter Konzepte und die Qualifizierung der Multiplikatoren für die Durchführung dieser Angebote in Abstimmung mit den Landesinstituten und den Bezirksregierungen bzw. Staatlichen Schulämtern.

5.8 Steigerung der Qualitätsanforderungen

Bei gleichzeitiger Ausdehnung der Themenfelder steigen die Anforderungen an die inhaltliche und formale Gestaltung von Fortbildungen. Veranstaltungen mit hoher Akzeptanz sind ganz wesentliche Voraussetzung für die fachliche Glaubwürdigkeit der bundesweiten Organisation der Medienzentren. Die Landesmedienzentren sind daher gefordert zur weiteren Professionalisierung der Angebote beizutragen.

5.9 Kooperation mit Partnereinrichtungen im Bildungs- und Kulturbereich

Um ihre eigene Kompetenz zu sichern und um die Dienstleistungen den Entwicklungen in den Bildungs- und Kultureinrichtungen kontinuierlich und zeitnah anzupassen, müssen sich die Landesmedienzentren mehr noch als die kommunalen Medienzentren auf eine Vielzahl von Kooperationen mit Experten, Institutionen und Firmen einstellen, um den medialen Innovationsschub im Bildungsbereich flankierend zu stützen.

5.10 Unverzichtbare Partnerschaft mit dem FWU

Die didaktischen und technischen Herausforderungen der digitalen Medien verlangen die aktive 'Integration' des FWU in den Verbund der Landesmedienzentren und der kommunalen Medienzentren als bundesweites Innovations- und Kompetenzzentrum, als Servicezentrum, als Betreiber gemeinsamer Mediendatenbanken, als Träger und Koordinator innovativer Projekte und anderes mehr. Das FWU ist darüber hinaus als wichtigster Bildungsmedienproduzent sowie als Organisator von Kooperation und Koordination unverzichtbarer Bestandteil des bundesweiten Verbundes der Medienzentren.

5.11 Neue Ziel- und Adressatengruppen

Mit der Dominanz der Medien in der Lebenswelt aller Bevölkerungsgruppen ergibt sich die Notwendigkeit zur Entwicklung von Medienkompetenzangeboten für alle Zielgruppen. Zu den traditionellen Angebotsformen für Lehrerinnen und Lehrer müssen somit neue Veranstaltungen für Multiplikatoren aus anderen Bildungs- und Kulturbereichen hinzukommen. Punktuelle Angebote etwa auch für Sozialpädagog(inn)en/ Sozialarbeiter(innen) oder Erzieher(innen) sind hier nicht ausreichend, sondern müssen systematisch ausgebaut und flächendeckend in Kooperation mit anderen Anbietern ausgeweitet werden. Vergleichbare Angebote sollten sich an Multiplikator(inn)en im Bereich der Erwachsenenbildung wenden. Bisher vernachlässigt, gleichwohl unverzichtbar ist die Verstärkung der Bemühungen bei der Zielgruppe der künftigen Lehrerinnen und Lehrer in der zweiten Ausbildungsphase. Schließlich fordern Pädagoginnen und Pädagogen aus der Praxis heraus verstärkte Unterstützung durch die Eltern. Hier kann nicht auf die individuelle Weiterbildung des Einzelnen etwa in VHS-Kursen gesetzt werden. Systematische Angebote für Eltern gehören zu einem umfassenden öffentlichen Medienkompetenzangebot.

6. Dienstleistungsspektrum der Landesmedienzentren

6.1 Medienpädagogik

Die Bildungsdiskussionen am Anfang des 3. Jahrtausends sind zunehmend geprägt vom Versuch einer Neubestimmung des Lernens in der Informations- und Wissensgesellschaft. Gerade im Zusammenhang mit den sich rasant entwickelnden neuen Medientechnologien stehen sich dabei euphorische Erwartungen und kritische Distanz gegenüber; gesicherte Erkenntnisse fehlen. Unstrittig jedoch ist der Stellenwert von Medienkompetenz als einer Schlüsselqualifikation für das 21. Jahrhundert, die über den Grad der Teilnahme- und Mitgestaltungsmöglichkeit am öffentlichen und politischen Leben, über Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, über die Beherrschung kommunikativer und kultureller Codes, aber auch über die ganz subjektive Zufriedenheit des Einzelnen im Alltag entscheiden wird. Aufgabe des Bildungswesens ist es, die Förderung von Medienkompetenz durch eine zukunftsoffene, an der Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen orientierten Medienpädagogik anzustreben. Dieser beträchtlichen Herausforderung ist die Schule, sind die Lehrerinnen und Lehrer sowie die in außerschulischen Kinder- und Jugendeinrichtungen Tätigen allein nicht gewachsen; sie benötigen Unterstützungssysteme. Hierbei spielen die Landesmedienzentren eine herausragende Rolle. Unter Erziehungs- und Bildungsgesichtpunkten sind zur Förderung von Medienkompetenz vor allem drei medienerzieherische Aufgabengebiete und Zielsetzungen zu verfolgen: 

  • Bewusste und selbstbestimmte Nutzung von Medien und nichtmedialen Möglichkeiten zur Unterhaltung, Information, Kommunikation, Problemlösung und Bildung,

  • Einblicke in Wirkungsweisen und Produktionsbedingungen von Medien,

  • Praktisch-gestalterische Medienarbeit. 

Wichtiger Aspekt ist die Qualifizierung der Lehrerinnen und Lehrer und anderer Multiplikatoren, die während ihrer Ausbildung kaum mit moderner Medienpädagogik, zumal im Zusammenhang mit digitalen, computergestützten Medientechnologien, in Berührung gekommen sind. Neben dem Angebot entsprechender Kurse und Veranstaltungen durch die Landesmedienzentren werden diese in der II. Phase der Lehrerausbildung wirksam, um künftigen Lehrerinnen und Lehrern praxisorientierte Kenntnisse und Fähigkeiten im Umgang mit Medien zu vermitteln. Da Medienpädagogik bundesweit vorrangig als fachintegratives Prinzip begriffen wird, kommt der Fortschreibung von Lehrplänen, Rahmenrichtlinien und vergleichbaren Curricula außerordentliche Bedeutung zu. Die Veränderungen traditioneller Fachkulturen unter dem Einfluss neuer Medien sind gravierend und machen längst nicht mehr vor der Schultür Halt. An der curricularen Arbeit sind deshalb nicht nur Lehrkräfte und Wissenschaftler(innen) des betreffenden Faches, sondern zunehmend Medienpädagog(inn)en beteiligt. Innerhalb ihrer Länder bilden die pädagogischen Mitarbeiter(innen) der Landesmedienzentren dafür ein wichtiges Potential. Weiterhin engagieren sich Landesmedienzentren zunehmend in Projekten sowie in Schul- bzw. Modellversuchen zur Entwicklung und Erprobung bildungsrelevanter Innovationen; ein Hinweis auf die Qualität der in diesen Institutionen geleisteten inhaltlichen Arbeit, von der auch eine Fülle von Handreichungen und Materialien für den schulischen wie außerschulischen Bildungsbereich zeugt. Darüber hinaus haben eine Reihe von Landesmedienzentren in konsequenter Umsetzung eines integrativen Ansatzes die Zuständigkeit und inhaltliche Verantwortung für den Aufbau und die Pflege der jeweiligen Landesbildungsserver übernommen.

6.2 Fortbildung

Seit Jahrzehnten bieten die Landesmedienzentren ein breites Spektrum an Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen zu allen medienerzieherischen wie mediendidaktischen Themen für Lehrkräfte, für in außerschulischen Kinder- und Jugendeinrichtungen Tätige, für Leiter(innen) kommunaler Medienzentren, Medienberater(innen) und andere Multiplikatoren. Diese Veranstaltungen werden sowohl zentral am Sitz der Landesmedienzentren als auch regional in Kooperation mit den kommunalen Medienzentren oder als schulinterne Fortbildungen angeboten. Die Landesmedienzentren bringen diese langjährigen Erfahrungen in die Entwicklung zukunftsweisender Fortbildungs- und Qualifizierungskonzepte ein, mit denen in besonderer Weise die Herausforderungen der rasanten medientechnologischen Entwicklung sowie der damit einhergehenden Innovationsprozesse in Gesellschaft, Wirtschaft, Schule und anderen Bildungsinstitutionen Berücksichtigung finden sollen. Der Erwerb von Fertigkeiten im Umgang mit dem Computer, mit Multimedia und dem Internet bildet dabei nur die notwendige Grundlage zur Herausbildung von Medienkompetenz bei Lehrkräften und anderen Multiplikatoren. Vielmehr sind pädagogische und didaktische Ansätze zu entwickeln, zu erproben und im Sinne eines zukunftsweisenden Bildungskonzepts, das Medienkompetenz als eine der unverzichtbaren Grundkompetenzen ausweist, systematisch in Schule und andere Bildungsinstitutionen zu implementieren. Neben der Revision der Curricula bilden Fortbildungs- und Qualifizierungsangebote die wichtigste Voraussetzung zum Gelingen dieses notwendigen Entwicklungsprozesses in unserem Bildungssystem. Landesmedienzentren sind auf Grund ihrer jahrzehntelangen Erfahrungen mit vielfältigsten Nutzungskonzepten von Medien in Bildungszusammenhängen, aber auch auf Grund ihrer eigenen Entwicklung zu modernen Medienzentren, die neueste Entwicklungen aufnehmen und in ihr Arbeitsprofil einbeziehen, ein unverzichtbarer und kompetenter Partner in diesem Prozess.

6.3 Medienversorgung

Die komplementäre Versorgung aller Bildungs- und Kultureinrichtungen mit Bildungsmedien aller Art bleibt auch in Zukunft eine zentrale Aufgabe der Landesmedienzentren. Im Verbund mit dem FWU bleibt die Aufgabe der Sichtung, Bewertung, Dokumentation, Bereitstellung und Pflege geeigneter Medien unverzichtbar. Dabei wird für einen erheblichen Übergangszeitraum noch der Bereich der Medien auf körperlichen Trägern parallel zu der sich zunehmend entwickelnden Welt der Onlinemedien bestehen bleiben. Mit der stärkeren Konzentration in den kommunalen Medienzentren auf Beratungs- und Fortbildungsaktivitäten kommt der Servicefunktion der Landeseinrichtungen eine noch wichtigere Rolle zu. In Zukunft sollte der gesamte Sichtungs- und Dokumentationsaufwand in den Landeseinrichtungen liegen, um die lokalen Einrichtungen hiervon zu entlasten. Dabei kooperieren die Landeseinrichtungen arbeitsteilig, sodass auch hier erheblicher Aufwand eingespart werden kann. Mit dem Aufbau elektronischer Distributionsformen wächst darüber hinaus den Landeseinrichtungen eine neue Funktion als Verteilknoten und Lizenzgeber zu. In Kooperation und Arbeitsteilung mit den kommunalen Partnern werden Netze von Medienservern entstehen, die auch in der neuen Welt der elektronischen Distribution die zuverlässige und flächendeckende Versorgung aller Bildungs- und Kultureinrichtungen mit Medien gewährleisten.

6.4 Daten- und Informationsdienste

Landesmedienzentren haben seit jeher die Aufgabe, aus der Fülle der zur Verfügung stehenden Informationen diejenigen herauszufiltern, die für pädagogische Kontexte von Bedeutung sind. Sie stellen diese Informationen darüber hinaus in die relevanten Kontexte und publizieren sie in geeigneter Form. Aktualität, Qualität und pädagogische Relevanz sind dabei die Kriterien der Auswahl. Als professionellen Informationsmanagern ist den Landesmedienzentren damit eine große Glaubwürdigkeit zugewachsen, die für die Kunden Voraussetzung für die Akzeptanz der Angebote ist. Die Bereitstellung dieser Informationen wird inzwischen flächendeckend durch Printpublikationen wahrgenommen, die mehr oder weniger regelmäßig und länderspezifisch in den Bildungseinrichtungen zur Verfügung stehen. Inzwischen werden eine Reihe dieser Publikationen auch als Onlineversion angeboten. Selbstverständlich präsentieren sich die Landesmedienzentren jeweils einzeln und im Verbund mit ihrer gesamten Dienstleistungspalette für den Onlinenutzer auch im Internet. Zum Teil ist bereits die Medienrecherche und -bestellung der Medien online möglich. Auf diesem Wege erhalten in der Regel auch die kommunalen Partner die entsprechend aufbereiteten Daten für die Pflege der lokalen Datenbanken. In dem sich entwickelnden, zunehmend unübersichtlichen Markt der Software benötigen die Kunden auch Informationen insbesondere zur Qualität und zur Eignung. Auch hierzu erarbeiten die Landesmedienzentren mit Partnern aus den Landesinstituten spezielle Onlineangebote für die pädagogisch Interessierten. Schließlich obliegt bereits einer Reihe von Landesmedienzentren auch die Entwicklung und Pflege der jeweiligen Landesbildungsserver, sodass auch über diese zentralen Informations-, Kommunikations- und Kooperationsplattformen alle erforderlichen Daten- und Informationsdienste für die Nutzer(innen) zur Verfügung stehen.

6.5 Medientechnischer Support

Seit der Gründung der Bildstellen stehen technische Medien im Mittelpunkt des Service-Angebots. Vor allem im kommunalen Bereich wurden hier über Jahrzehnte hinweg wichtige Dienstleistungen erbracht. Reparaturdienste, Geräteverleih und Schulungen zur Gerätebedienung waren unverzichtbare Hilfestellungen, die aufgrund der technischen Entwicklung jedoch zunehmend durch Aufgaben im Bereich der neuen Medien ergänzt werden. Dennoch sind gerade in Bezug auf die herkömmliche Medientechnik Kompetenzen vorhanden, die von keiner anderen Einrichtung erbracht und nur sehr teuer eingekauft werden können. Für die Technik der AV-Medien wird auch weiterhin Unterstützungsbedarf vorhanden sein. Die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien verlangen für ihre sichere Beherrschung die Vermittlung von Handhabungsfertigkeiten. Die Anleitung und Einweisung von Lehrenden in den Gebrauch der neuen Medien ist vorwiegend Sache der staatlichen Einrichtungen, die Landesmedienzentren können hier wichtige Aufgaben wahrnehmen. Da Computeranwendung in der Schule sinnvoll nur vernetzt stattfinden kann, sind spezifische Anforderungen an die Netzwerke zu stellen. Bei der Ausstattungsberatung, bei der Netzwerkberatung und -betreuung können neben den Landesmedienzentren auch die kommunalen Medienzentren ihre Kompetenzen im medientechnischen Support zukunftsweisend einbringen und damit zu unverzichtbaren Dienstleistern für die Sachaufwandsträger von Schulen, Jugendfreizeitstätten und anderen kommunalen Einrichtungen werden. Die Landesmedienzentren können die hierfür notwendigen Qualifizierungsmaßnahmen anbieten und koordinieren. Eine zeitgemäße technische Ausstattung ist jedoch auch in den kommunalen Medienzentren vorzuhalten, um Projekte produktiver Medienarbeit initiieren und begleiten zu können.

6.6 Medienproduktion

Die Produktion von landeskundlichen Medien, etwa Fotoreihen, Filmen, Videos und zunehmend auch Multimedia, gehört zu den traditionellen Aufgaben der Medienzentren für ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereich. Diese Produktionen ergänzen das länderübergreifende Angebot des FWU. Durch die technische Entwicklung gewinnen Multimedia-Angebote zunehmend an Bedeutung. Das gesamte Spektrum traditioneller Medien bildet jedoch auch weiterhin die Grundlage für alle Multimedia-Angebote. Veränderte und vor allem anspruchsvollere Sehgewohnheiten der Schülerinnen und Schüler bewirken einen Anspruchsstandard an Produktionen, der von Medienzentren nur erfüllt werden kann, wenn eine angemessene technische wie personelle Ausstattung vorhanden ist. Bei der Produktion sollten daher auch Möglichkeiten der public-private-partnership zukünftig stärker gesucht und genutzt werden, um professionelle Standards erfüllen zu können.

Die Möglichkeiten des Internets bieten jedoch eine neue Produktionssparte, indem Angebote sinnvoll ausgewählt und didaktisch strukturiert präsentiert werden können, um das Lernen mit und über Netze zu erleichtern. Dabei können Unterrichtsreihen ebenso angeboten werden wie Überblickswissen zu einzelnen Fächern oder methodische Anleitungen für die Nutzung des Internets. Die Medienzentren verfügen hier über lange Erfahrungen, die für die Zukunft genutzt werden sollten und von keiner anderen Institution zu erwarten sind.

6.7 Medienarchive

Das Sammeln, Erschließen und Archivieren von historischen landeskundlichen Medien gehört zum traditionellen Aufgabenspektrum der Landesmedienzentren. Durch langjährige sachkundige Sammlungstätigkeit sind vielerorts landesbezogene Foto-, Film- und Tonarchive von herausragender Bedeutung und kulturhistorischem Wert entstanden.

Dabei sind vor allem die Fotoarchive und -sammlungen der bundesdeutschen Landesmedienzentren, die nach Schätzungen über einen gemeinsamen Bestand von ca. 7 Mio. Motiven verfügen, aktiv tätige Dokumentationsstellen der Landesgeschichte und auch der Landesentwicklung. Fotografische Dienste dokumentieren im Sinne eines 'fotografischen Gedächtnisses' möglichst umfassend und systematisch landesrelevante Entwicklungslinien in den Bereichen des Städtebaus, der Dorf- und Regionalentwicklung, des Verkehrs, der Wirtschaft und Industrie, der Landschaftsveränderung, der 'großen' Politik und Kultur. Aber auch das scheinbar Profane, das unter sozial- und alltagsgeschichtlichen Gesichtspunkten oftmals erst aus wachsender zeitlicher Distanz Bedeutung gewinnt, stellt ein bedeutsames Sammlungsfeld in der umfassenden Dokumentationstätigkeit dar, so etwa der fotografisch erfassbare Wandel in der Alltagskultur, in den Lebens-, Bildungs- und Berufswelten der Menschen. Das Prinzip der Zugänglichkeit und öffentlichen Nutzbarkeit der Archive und Sammlungen verbindet ihre kulturhistorischen Leistungen mit dem übergreifenden pädagogischen Stütz- und Serviceauftrag der Landesmedienzentren für den schulischen wie außerschulischen Bildungsbereich.

Die rasant fortschreitende Digitalisierung und Vernetzung eröffnet bei bewusster und zielgerichteter Gestaltung zukunftssichere Entwicklungsmöglichkeiten der Archive und Sammlungen gerade auch im synergetischen Verbund mit den medienbezogenen und pädagogischen Querschnittaufgaben der Landesmedienzentren. Die Nutzung elektronischer Dokumentations- und Recherchesysteme sowie eine digitale Archivierung der Medien sind Voraussetzungen zur Einbindung in die Netzkommunikation, Voraussetzung für den Rechercheverbund mit Archiven anderer Landesmedienzentren und schließlich für die elektronische Distribution. Das Stehbild - in seiner klassischen Produktform als Diareihe aus pädagogischen Arbeitszusammenhängen weitgehend verschwunden - wird als didaktisch bedeutsamer Bestandteil in der Kompilation multimedialer Anwendungen eine Renaissance erfahren. Auch die gezielte Suche nach einzelnen Stehbildern und nach didaktisch aufbereiteten Stehbildreihen und die Bereitschaft zur Nutzung in Bildungszusammenhängen wird mit dem Grad nutzergerechter Recherchemöglichkeiten sowie der Verfügbarkeit und des Zugriffkomforts über das Internet (Datenprojektion, Intranetnutzung oder OH-Folienausdruck) deutlich zunehmen.

Eine Vielzahl der Fotoarchive der Landesmedienzentren Deutschlands stellen sich diesem Innovationsdruck und schaffen die technischen Voraussetzungen für eine Netzanbindung ihrer Bestände. Der Rechercheverbund mit anderen Landesmedienzentren sowie eine didaktische Schärfung der Angebotsstruktur, d. h. differenziertere, an Bildungsbelangen orientierte Aufbereitung einer Bestandsauswahl durch Bildreihenangebote, didaktisches Begleitmaterial und Nutzungsempfehlungen für die Bildungsarbeit, werden als Entwicklungschancen gesehen und angestrebt.

Für die landeskundlichen Filmarchive stellt das wachsende öffentliche Interesse an historischen Filmzeugnissen eine besondere Chance für die Öffnung der Bestände dar. Historisches Filmmaterial wird verstärkt in Videoeditionen dem Bildungsbereich, aber auch der interessierten Öffentlichkeit angeboten. Die Weiterverarbeitung des historischen Materials durch Einbindung in aktuelle Produktionen oder in erläuternde Rahmenhandlungen bietet eine entwicklungsfähige Perspektive für die Erweiterung der Produktpalette.

6.8 Medienkulturarbeit

In einer Zeit allseits beklagter medialer Reizüberflutung, die von einer Vielzahl öffentlich-rechtlicher und privater Hörfunk- und Fernsehprogramme sowie von der unübersehbar großen Zahl der Internetanbieter ausgeht, kommt der medienpädagogisch geleiteten produktiven und rezeptiven Medienarbeit als Methode und Ort des aktiven, bewussten und kreativen Umgangs mit Medien besondere Bedeutung zu. Landesmedienzentren nehmen als medienpädagogische Institute der Länder Aufgaben im gesamten Spektrum der Medienkulturarbeit wahr und leisten damit einen maßgeblichen Anteil zur Entwicklung von Medienkompetenz und Medienkultur. Die Initiierung, Förderung und Begleitung von medienbezogenen Wettbewerben, wie Foto-, Video- und zunehmend auch Multimedia- und Internetwettbewerbe, und die Organisation von Großveranstaltungen sowie von Fotoausstellungen, von Videotagen, die Fortbildung und Unterstützung in allen Bereichen produktiver Medienarbeit gehören ebenso zu diesen Aufgaben wie die Schaffung und fachliche sowie pädagogische Gestaltung medial-ästhetischer Aktions- und Erlebnisräume.

Ziel der produktiven Medienarbeit ist es, Mediennutzer(innen) mit den Bedingungen und Möglichkeiten von Medienproduktion vertraut zu machen und ihnen Gelegenheit zu bieten, eigene Eindrücke, Sichtweisen und Vorstellungen unter Berücksichtigung der Gestaltungsgesetze eines gewählten Mediums aufzubereiten und anderen als mediale Botschaft auch nahe zu bringen. Die Angebote der Landesmedienzentren im Aufgabenfeld der produktiven Medienarbeit reichen von technischem Service über gerätetechnische Einweisung, fachliche Beratung und Betreuung bis hin zu produktionsbezogenen Fortbildungen, die alle fachlichen, ästhetischen, theoretisch- wie handwerklich-gestalterischen und didaktischen Aspekte mit unterschiedlicher Akzentuierung berücksichtigen. Landesmedienzentren werden die vielfältigen Projekte produktiver Medienarbeit auch zukünftig vor allem durch Fortbildungen, Wettbewerbe und Foren initiieren, unterstützen und fördern. Die gerade in diesem Bereich notwendige Vernetzung der Aktiven der Szene wird künftig über entsprechende Internetangebote möglich sein.

Einige Landesmedienzentren haben bereits den Prototyp eines Servers zur produktiven Medienarbeit entwickelt, der Informations-, Kommunikations- und Kooperationsmöglichkeiten für die Multiplikatoren, für die Aktiven, aber auch für Neueinsteiger(innen) bietet und der sich zum 'Szene-Treffpunkt' entwickeln könnte. Internet und Multimedia werden künftig in zunehmendem Maße (virtueller) Ort, aber auch Gegenstand bzw. Objekt produktiver Medienarbeit sein.

Filmtage mit aktuellen Bezügen oder unter einer thematischen Klammer, Kinoseminare und Kinderfilmfeste sind vor allem abseits der großen Städte herausragendes und oftmals sogar einziges medienkulturelles Angebot. Diese Veranstaltungen und Aktivitäten im Bereich rezeptiver Medienarbeit tragen unter den Beteiligten zur Herausbildung und Festigung ästhetischen Urteilsvermögens bei und beeinflussen damit maßgeblich die je individuelle medial-ästhetische Erlebnisfähigkeit. Die Umsetzung und langfristige Verankerung solcher Projekte vor Ort ist nur in enger Kooperation mit örtlichen oder regionalen Partnern möglich, dies kann das kommunale Medienzentrum, dies kann aber auch das Kulturamt, das Jugendamt oder eine andere örtliche Kultur- oder Jugendeinrichtung sein. Landesmedienzentren werden auch künftig in medienkulturellen Projekten die fachliche und pädagogische Leitfunktion übernehmen, sie werden die Medienauswahl treffen, medienpädagogische Begleitmaterialien erarbeiten und bereitstellen, vorbereitende Fortbildungen sowie Beratung und Begleitung anbieten. Die Partner sollen zwar in diese vorbereitenden Arbeiten einbezogen werden, ihre Aufgaben sind aber vor allem die Adaption des Projektpakets unter Berücksichtigung örtlicher und regionaler Bedingungen und Besonderheiten sowie die Gesamtorganisation, Werbung und konkrete Umsetzung vor Ort. Im landesweiten Verbund sind auf der Grundlage sinnvoller Arbeitsteilung und Ressourcenbündelung medienkulturelle Projekte umsetzbar, die viele der kommunalen Träger auf Grund der notwendigen umfangreichen fachlichen Vorbereitungen und der finanziellen Auswirkungen als Einzelprojekt niemals realisieren könnten.

6.9 Kooperations- und Vernetzungsdienste

Landesmedienzentren nehmen vielfältige, zum Teil sehr unterschiedliche medienbezogene Querschnittaufgaben wahr. Hieraus resultieren Arbeits- und Dienstleistungsbeziehungen zu verschiedensten Partnern. Außer zu den kommunalen Medienzentren unterhalten Landesmedienzentren zum Teil sehr intensive Arbeits- und Kooperationsbeziehungen zu Lehrerfortbildungsinstituten, Studienseminaren, Hochschulen, Einrichtungen der Erwachsenenbildung, Bildungseinrichtungen von Verbänden, Parteien und Kirchen, zu Einrichtungen der Jugend- und Kulturarbeit auf Landes- und Kreisebene, zum Teil sogar in organisatorischen Verbünden. Dienstleistungsbeziehungen verbinden die Landesmedienzentren mit den Nutzer(inne)n ihrer Leistungen, d. h. ebenfalls mit den kommunalen Medienzentren sowie vor allem mit den Schulen, Schulämtern, außerschulischen Kinder- und Jugendeinrichtungen, Ministerien und anderen Behörden des Landes. Länderübergreifende Arbeits- und Kooperationsbeziehungen zu Einrichtungen anderer Länder sowie zu bundesweit tätigen Institutionen treten hinzu.

Diese vielfältigen Bezüge werden die Landesmedienzentren zukünftig noch stärker und systematisch zu Partnernetzwerken ausbauen, denn der nutzerfreundliche Zugang zu Informationen, die schnelle und verlässliche Verfügbarkeit von Dienstleistungen wird in der kommenden Medien- und Informationsgesellschaft zentrales Kriterium für die Inanspruchnahme angebotener Leistungen sein - auch der der Landesmedienzentren. So werden die Landesmedienzentren als Anbieter nicht nur mit den eigenen medienbezogenen Dienstleistungen im Internet präsent sein, sie werden auch ergänzende Dienstleistungen von Partnerinstitutionen den eigenen zuordnen und weiterführende im Partnerverbund nachweisen.

Netzwerke als partnerschaftliche Strukturen, die mit ihrer Leistungs- und Kompetenzvielfalt Effizienzvorteile durch sinnvolle Arbeitsteilung und Leistungsergänzung ermöglichen, müssen im engeren Verbund der Landesmedienzentren zur Sicherung der Innovations- und Zukunftsfähigkeit nachdrücklich gestärkt, müssen aber auch mit allen genannten und weiteren Partnern und Nutzern entwickelt und ausgebaut werden. Teil und erstes Produkt des Partnerverbunds im Netzwerk wird der in Zusammenarbeit einer Reihe von Landesmedienzentren begonnene Aufbau von medienbezogenen Daten- und Informationsdiensten, Rechercheverbünden sowie elektronischen Dienstleistungs- und Produktmärkten sein. Synergieeffekte werden damit die Nutzer(innen) unmittelbar erreichen.

Landesmedienzentren bleiben kompetente Anbieter von medienpädagogischen Leistungen, sie sind kompetente Makler, Vermittler von Fachwissen, Know-how und Dienstleistungen.

Die Adressen aller Landesmedienzentren finden Sie hier.